Jahresende in Sicht - Ärzte verordnen nichts mehr?

Antworten
schmacki
PKV Kenner
Beiträge: 30
Registriert: 15.11.2010, 16:57

Re: Jahresende in Sicht - Ärzte verordnen nichts mehr?

Beitrag von schmacki » 25.12.2010, 11:44

Hallo Pfleger,

mit "DEM" Argument kann und darf ein Arzt nicht ablehnen, tut er aber in der Regel auch nicht, bzw. macht er wesentlich differenzierter, indem er (zu Recht) das Gesundheitswesen dafür verantwortlich macht. Wenn er ehrlich ist, verweist er auch noch auf diejenigen Kollegen, die im Laufe des Jahres völlig "unsinnige" Verordnungen im Übermaß getätigt haben. Das System ist nämlich wesentlich komplizierter, als man sich es als Laie vorstellt. Kurz gesagt gibt es einen limitierten (und im Vorfeld verhandelten) "Pott" Geld in einer bestimmten Höhe. Dieser wird von der Kassenärztlichen Vereinigung verwaltet und aufgeteilt. Ist dieser "Pott" leer, und das ist er meistens am Ende des Jahres, dann bekommt der einzelne Arzt keinen Cent für weitere Verordnungen. Er arbeitet sozusagen am Ende des Jahres ohne Bezahlung. Und an dieser Stelle spätestens beginnen die Streitigkeiten unter den Verantwortlichen. Die Krankenkassen verweisen darauf, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen den "genügend" großen "Pott" nicht vernünftig verwalten, die Ärzteschaft sagt, der "Pott" ist eben nicht genügend groß, um allen Versicherten die neuesten medizinischen Errungenschaften, die immer teurer, weil hochwertiger, werden, zugängig zu machen. Wenn dann noch einzelne "Fachleute" darüber streiten, was wirklicher Fortschritt in der Medizin ist, und was nur durch z. B. die Pharmaindustrie "abgegriffen" wird, kann der Laie in der Regel nicht mehr nachvollziehen, wer Recht hat. Tatsache ist (aus meiner subjektiven Sicht), dass Medizin (wie übrigens auch alle anderen hochwertigen Leistungen) immer teurer wird. Ob man nun der Politik (die übrigens häufig auch in der "Zwickmühle steckt) dem Gesundheitssystem allgemein (was man seit Jahrzehnten verspricht zu reformieren), oder den Anbietern von Gesundheitsleistungen die Schuld für die "Schieflage" gibt, hängt leider (nicht nur aber auch) von der persönlichen Überzeugung, und der Überzeugungskraft von Lobbyisten ab. Einen weiteren Aspekt möchte ich auf keinen Fall vergessen. Solange wir als Verbraucher (Patienten) glauben, dass wir ein "Rundumpaket" zum "Aldidiscount" bekommen (Geiz ist geil), und gleichzeitig die vom Arzt verordneten Therapien zunehmend und aus teilweise Halbwissen begründeten Argumenten anzweifeln (Millionen von Medikamenten die jährlich einfach auf den Müll geworfen werden), werden wir uns als Gesellschaft fragen müssen, was zu ändern ist, und sollten nicht immer bei allen Anderen die Schuld suchen, deren Beweggründe wir aufgrund der Komplexität des "Systems" nur marginal erklären und erkennen können.

Lieber "Pfleger", ich bin (wieder mal) etwas ausgeschweift und hoffe, dass ich trotzdem verständlich geblieben bin. Ich bin übrigens weder Arzt, noch Angestellter einer Krankenversicherung, sondern "nur" Patient und versuche vielmehr "alle Seiten" ein bisschen zu verstehen, um selbst ein Stück zur "Genesung" des Gesundheitswesens beizutragen.
Vielleicht habe ich dir ja sogar deine Frage beantworten können, was eigentlich meine ursprüngliche Intention war.

Beste Grüße und ein schönes (Rest)-weihnachten,

schmacki

Antworten