Chronisch Kranke in der PKV benachteiligt

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Heinrich
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Chronisch Kranke in der PKV benachteiligt

Beitrag von Heinrich » 15.10.2010, 17:25

hallo

dass es vor der Aufnahme in die PKV eine Gesundheitsprüfung zu absolvieren gilt, das ist ja logisch. Dass die PKV wohl nicht so begeistert ist, wenn Kunden aufgenommen werden wollen, die regelmäßig krank sind, das ist auch klar. Jehr mehr Krankheit, desto mehr Kosten für die PKV.

nun habe ich aber gelesen, dass Menschen mit Depressionen entweder gar nicht oder mit Aufschlägen von bis zu 30 !!! Prozent in die PKV aufgenommen werden. Das find ich richtig heftig. Ich mein, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens einmal oder sogar mehrfach an Depressionen erkranken, dann schließt die PKV somit schon einmal sehr viele Leute von den Leistungen der "besseren KV" aus und ich finde das nicht fair.
ist das rechtens? kann man da schon von Diskriminierung sprechen?

Ich würde gern hier im Thread eine Diskussion über PKV und chronische Krankheiten anregen und würde mich freuen,wenn Ihr Meinungen, Erfahrungen und Berichte besteuert.

danke
Heinrich

schmacki
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Re: Chronisch Kranke in der PKV benachteiligt

Beitrag von schmacki » 15.11.2010, 21:13

Hallo Heinrich!

Sowohl bei dir,als auch bei meinem "Vorredner" scheinen ein paar Missverständnisse vorzuliegen. Es ist das P R I N Z I P der PKV, dass sie sich auswählen darf, wen sie aufnimmt!! Es ist eben n i c h t das Solidarprinzip der GKVen. Die privaten Krankenversicherungen (nicht Krankenkassen) sind nichts anderes, als die Rückversicherer von privat versicherten Selbstzahlern. das heißt: ich bekomme von meinem Arzt eine Rechnung, für die i c h als Patient zu zahlen habe. (übrigens auch haftungspflichtig gemacht werde) Weil ich das in der Regel bei hohen Kosten gar nicht kann, versichere ich mein Risiko zu bestimmten auszuhandelnden Bedingungen. Wenn ich das richtig gemacht habe, bekomme ich die vollen Kosten meiner Krankenbehandlung r ü c k e r s t a t t e t. Habe ich den falschen Tarif gewählt, kann es durchaus sein, dass ich auf einem Teil meiner Kosten sitzen bleibe. Die werden dann allerdings vom Dienstleister (Arzt/ Krankenhaus) wenn nötig auch gerichtlich von m i r als Patient eingefordert. (nicht von der Versicherung, die ist nämlich im Gegensatz zur GKV kein Vertragspartner des Behandlers) Was soll ich von einer Versicherung halten, die hohe Prämien von mir kassiert mit dem Auftrag, diese gewinnbringend anzulegen, um meine Kosten auch dauerhaft (bis ins hohe Alter) erstatten zu können, die gleichzeitig von vorne herein eindeutige "Risiken" in Kauf nimmt, indem sie chronisch Kranke versichert. Tut sie das dauerhaft, erhöht sie die Beiträge a l l e r Mitglieder bewusst und verliert im Zweifelsfalle die "guten" weil gesunden Kunden. Im Gegensatz zur GKV ist sie dann ganz schnell pleite, weil es im PKV Bereich keinen Risikostrukturausgleich gibt. Ums mal etwas zu verdeutlichen:

Eine Unfallversicherung versichert schließlich auch nicht Personen, die bereits verunglückt sind.

Kurz gesagt: Die PKV ist eine durch das Kapital ihrer Mitglieder gedeckte Versicherung. Die GKV ist eine auf dem Solidarprinzip basierende gesetzliche Krankenkasse, die sich teilweise durch kompliziert errechnete Umlagesysteme ( RSK= Risikostrukturausgleich) finanziert. Letzteres bedeutet, dass Sie für höhere Risiken (mehr schwer oder chronisch kranke Mitglieder) auch höhere Beiträge aus dem "Solidartopf" bekommt.
Ich gebe zu, dass das alles recht kompliziert ist, möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass es gerade deshalb nicht gerechtfertigt ist, von "Diskriminierung" oder "Creme de la Creme" zu sprechen. Solche Phrasen werden diesem komplexen Thema nicht gerecht.
Gruß

schmacki

P.S. Ich habe wegen meiner Krebserkrankung vor 8 Jahren einen 20% "Aufschlag" bekommen und fand das durchaus gerechtfertigt. Hätte ich es anders empfunden, wäre ich schlicht und ergreifend in meiner GKV geblieben. Das bleibt mir nämlich frei, so zu entscheiden!!

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