Chefarztbehandlung wirklich so gut?

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schmacki
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Re: Chefarztbehandlung wirklich so gut?

Beitrag von schmacki » 15.11.2010, 22:00

Hallo Michael,

ich stimme mit dir bzw. der Umfrage völlig überein. Aber was glaubst du wohl, in welcher Klinik die von den Patienten gewünschten Leistungen am ehesten erbracht werden. In einem Haus, in dem der Professor (leitende Chefarzt) eine Kapazität auf seinem Spezialgebiet ist (und dadurch womöglich Forschungsprojekte und "massenhaft Privatpatienten aus dem Orient" anzieht) oder in einer "Wald und Wiesenklinik", die am Rande des Existenzminimums arbeitet??? Für mich letztendlich (leider)alles eine Frage des Geldes und mittelbar somit auch eine Frage des Rufes der Klinik (des Chefarztes). Um konkret zu werden; auf die Behandlung eines Arztes "nur" weil er Chefarzt ist (da gibt es genauso viele Pfeifen wie in allen anderen Berufsgruppen (Positionen)) kann ich gut verzichten. Aber!!! Ein Chefarzt, der eine Kapazität auf seinem Gebiet ist (und diese Kapazitäten sind in aller Regel Chefärzte) wäre mir schon lieber, als ein "Anfänger" in dem "Job". (Wohl gemerkt: nicht alle Chefärzte sind Kapazitäten, aber die meisten Kapazitäten sind Chefärzte)

Insofern teile ich eure Meinung nur zum Teil. Ganz sicher ist richtig, dass auch alles andere "stimmen" muss, aber meistens hängt das damit zusammen wie gut der Kopf (Chef) ist!! Meine ganz persönliche Überzeugung!!

Gruß

schmacki

Klaus
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Re: Chefarztbehandlung wirklich so gut?

Beitrag von Klaus » 16.11.2010, 17:12

Hallo,

zum Thema: "Chefarztbehandlung wirklich so gut?" kann ich nicht einfach mit dem Besen darüber fahren.

Beispiele:
Die Blinddarm-OP kann sicher ohne Probleme vom Stations- oder Oberarzt durchgeführt werden - keine Frage.

Doch wenn bei Oma Piepenbrink ein Bypass gelegt werden muss und die Ärzte sich am Montag zur OP-Besprechnung treffen,
dann wird der Stations-/Oberarzt sagen: "Upps - das kann ich nicht" (...nur als Beispiel...) und der Chef wird dann sagen:
"OK - Jungs, dann schaut mir mal über die Schulter" (...oder so ähnlich...).
Für den GKV-versicherten wäre es dann Glück, dass der Chef operiert.
Einen Anspruch darauf hat er (...bzw. Oma Piepenbrink...) nicht.

Außerdem kaufe ich mir mit der "Chefarztbehandlung" nicht nur seine persönlichen Leistungen ein, sondern auch die technischen.
Bei meinem Sohn sollten die Mandeln entfernt werden. Als ich dem Arzt sagte, dass wir stationär zusatzversichert sind, sagte er:
"Das ist gut - bei einem GKV-Patienten müsste ich den Schällöffel nehmen,
bei PKV-Patienten kann ich den Laser nehmen...der verödet die Wunde und sie kann schneller heilen...leider bezahlt die GKV den Laser nicht..."

Herzliche Grüße
Klaus

Versicherungsexperte
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Re: Chefarztbehandlung wirklich so gut?

Beitrag von Versicherungsexperte » 30.09.2011, 15:58

Grundsätzlich ist eine Zusatzversicherung dann sinnvoll, wenn sie existentielle Risiken besonders gut abdeckt. Eine Zusatzversicherung sollte die Situationen absichern, die viele Menschen treffen können, jedoch nur wenige trifft. Damit sind beispielsweise schwere Erkrankungen und dadurch begründete kostspielige Behandlungen gemeint.

Vor allem stationäre Behandlungen sind teuer und kostenintensiv, hier würde eine Zusatzversi-cherung also auch Sinn machen. Stiftung Warentest veröffentlicht regelmäßig Informationen und Vergleiche darüber. Jedes Mal ist der Hinweis enthalten, dass es sich bei dieser Kranken-zusatzversicherung um die wichtigste Zusatzversicherung von allen handelt. Der Grund ist ganz einfach: Gesundheit ist das wichtigste Gut des Menschen!

„Nirgendwo sonst ist der Unterschied zwischen Kassenpatienten und Privatpatienten so deutlich spürbar wie im Krankenhaus!“ (FINANZtest 10/2005)

Warum dieser Schutz wichtig ist, das verstehen die meisten im Alltag leider erst dann, wenn sie mal ernsthaft erkrankt sind bzw. waren, weil sie dann den Aussagegehalt des Satzes:

“Ein Gesunder hat tausend Wünsche, ein Kranker nur einen Wunsch!“

erst wirklich verstehen können.

Wer sich für sein neues Auto eine Vollkaskoversicherung leisten kann, sollte auf den Schutz einer Krankenhauszusatzversicherung erst recht nicht verzichten, denn ein Haufen Blech kann nicht wichtiger sein als die eigenen Gesundheit. Dass die Gesundheit das wichtigste Gut des Menschen ist – diese Erkenntnis haben meist nur diejenigen, die schon erkrankt sind. Solange man gesund ist, hält man sich für unverwundbar und meint krank werden nur die anderen.

Lassen Sie es nicht soweit kommen und informieren Sie sich und schließen Sie rechtzeitig für sich und ggfs. für Ihre Angehörigen eine Krankenhauszusatzversicherung.

Eine Krankenhauszusatzversicherung abzuschließen ist am klügsten, solange man noch gesund ist, denn:

- Privatpatienten haben freie Krankenhauswahl,
- Privatpatienten haben das Recht im Krankenhaus vom Chefarzt behandelt zu werden,
- Privatpatienten genießen den besseren Service in einem Ein- oder Zweibettzimmer,
- Privatpatienten kommen eher in den Genuss der neuesten Technik,
- Privatpatienten kommen eher in den Genuss der neuesten, besseren Medikamente,
- Privatpatienten kommen eher in den Genuss verbesserter aufwändigerer Heilmethoden in der Medizin.

Viele Privatpatienten haben erkannt, dass die Vorteile für den Erhalt oder die Wiederherstellung der eigenen Gesundheit den Abschluss für eine Krankenhauszusatzversicherung gerechtfertigt haben, denn Privatpatienten können regelmäßig eher davon ausgehen, dass folgendes gilt:

1. Ärzte machen häufiger Visiten bei Privatpatienten. Dadurch werden Veränderungen im Gesundheitszustand eher wahrgenommen und entsprechend früh behandelt.

2. Krankengymnasten, Atemtherapeuten und anderes Hilfspersonal kommen öfter zu den notwendigen Zusatztherapien.

3. Den Hygienevorschriften wird mehr Raum gegeben und somit Krankenhausinfektionen vorgebeugt.

4. Der Personalschlüssel auf Privatstationen ist in vielen Kliniken höher als auf Allgemein-stationen, das Personal oftmals höher qualifiziert

Sie können Gesundheit einkaufen: Der Schutz kostet für Kinder um die 5 Euro monatlich, für Erwachsene ca. ab 20, 30, 40 Euro und mehr, je nach Alter. Aber hier kann man „Gesund-Werden” quasi einkaufen!

Übrigens, umgangssprachlich heißt es "Chefarztbehandlung", was den Kern des Ganzen allerdings nicht immer trifft. Fachlich gesehen handelt es sich um "Leistungen für privatärztliche Behandlung". Damit ist also nicht der Chefarzt im Wald- und Wiesenkrankenhaus gemeint sondern auch die Koryphäe in der Charite' Berlin, von der Sie sich behandeln lassen können.

Wenn man ernsthaft erkrankt (Krebs, Schlaganfall kriegen zuweilen auch junge Personen, Herzinfarkt und es gibt noch, wie man so schön sagt, eine Million und 17 weitere Erkrankun-gen) geht man nicht zum Arzt um die Ecke, sondern man begibt sich in ein Krankenhaus oder man wird sogar als Notfall dort eingeliefert. Eine der ersten Fragen, wenn man im Krankenhaus aufgenommen wird ist die Frage nach dem Status, ob man Kassenpatient oder Privatpatient ist.

Wenn Sie „nur“ gesetzlich krankenversichert – also Kassenpatient – sind, werden Sie natürlich nicht als Privatpatient im Krankenhaus aufgenommen. Sie haben als Kassenversicherter aber nur den Anspruch auf Unterbringung im Mehrbettzimmer und Behandlung durch den jeweiligen diensthabenden Stationsarzt.

Ein äußerst wichtiger Punkt: Sie haben auch keine freie Krankenhauswahl, das ist vielen gar nicht bekannt. Der Arzt darf Sie nur in eines der beiden nächstgelegenen und geeigneten Krankenhäuser einweisen!

Es gibt zwar einige Krankenhäuser, die Kassenversicherte ohne Aufpreis in ein Zweibettzimmer legen, aber damit wird man als Kassenpatient noch lange kein Privatpatient, sondern genießt nur den Vorzug einer besseren Unterbringung. Darauf hat man aber keinen Anspruch, wenn man Glück hat bekommt man diesen Vorteil ohne Privatpatient zu sein. Wer jemals im Kran-kenhaus war, weiß den Vorteil einer besseren Unterbringung zu schätzen.

Sie können aber als Privatpatient aufgenommen werden, wenn Sie rechtzeitig eine Krankenhauszusatzversicherung abgeschlossen haben, welche im Falle eines Krankenhausaufenthaltes dann

1. die Mehrkosten für bessere Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und
2. was viel wichtiger ist, zusätzlich auch die (viel) höheren Mehrkosten der privatärztlichen Behandlung

übernimmt. Die Krankenhäuser vergeben die Privatpatientenzimmer nämlich regelmäßig nur an diejenigen Patienten die eben auch die Mehrkosten des Chefarztes versichert haben.

Prinzipiell könnten Sie sich als Kassenversicherter auch ohne Zusatzversicherung bei der Aufnahme als „Privatpatient“ aufnehmen lassen, aber das Risiko unbezahlbarer Mehrkosten ist dann sehr hoch, wenn Sie keinen Kostenträger für dieses Risiko durch eine rechtzeitig abgeschlossene Zusatzversicherung besorgt haben.

Für preissensible Kunden, denen eine „normale“ bzw. vollständige Krankenhauszusatzversiche-rung zu teuer ist oder für solche, die aufgrund des aktuellen Gesundheitszustandes keine Zu-satzversicherung abschließen können (oder nur mit erheblichen Einschränkungen), bieten eini-ge Versicherungsgesellschaften auch Stationärtarife in abgespeckter Version an, Produkte mit sog. „Ausschnittsdeckung". Das sind Tarife, die dann Leistungen vorsehen, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt, zum Beispiel bei einem Unfall oder beim Eintritt einer schweren Erkrankung (sind aufgrund der Ausschnittsdeckung günstiger als die üblichen Stationärtarife).

Wer als gesetzlich Versicherter im Krankenhaus mehr Komfort haben will – sowie die Sicherheit, medizinisch immer bestens versorgt zu werden, sollte möglichst frühzeitig eine private Krankenhauszusatzversicherung abschließen. Denn über eines sind sich Gesundheitsexperten einig: „Die Zweiklassenmedizin ist in der Bundesrepublik Deutschland schon längst Realität!“

Gruß,

Versicherungsexperte

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